Wir vier Frauen und unser Leiter Jürgen Gück starteten die Tour am Freitagmorgen gegen 11 Uhr ab der Bergstation Crêt du Midi der Kabinenbahn (station amont), die uns von Vercorin, 1342 m direkt auf 2333 m beförderte.
Obwohl es am Vortag geregnet hatte, konnten wir die Route über den Grat bei la Brinta und den Roc d‘Orzival bei angenehmer Temperatur, unter manchmal schattenspendenden Wolken und doch mit wunderbaren Ausblicken ins Rhonetal und die umwölkten Berggipfel im Süden antreten.
Bei la Brinta machten wir unseren ersten Halt und stärkten uns, bevor der Weg durch ein Felsband hinaufführte. Nach der Kraxelei ging es in sanftem Auf und Ab meist direkt auf dem Grat, manchmal leicht unterhalb bis zur Abzweigung Richtung Roc d’Orzival. Wir folgten diesem Weg bis wenig unter den Gipfel, um von dort die Aussicht zu geniessen. Dabei überraschten uns viele Edelweiss.
Nach diesem Abstecher ging es auf dem Fahrweg durch das Skigebiet Le Marais (Grimentz) abwärts zur Skibar, die natürlich geschlossen war. Danach galt es, durch die breite, steinige Talflanke des Kessels wieder gut 250 Höhenmeter zu gewinnen, um durch den Col des Becs de Bosson und ein weiteres Schuttfeld mit einem kleinen Schneefeld zur Hütte hinauf zu gerlangen.
Diese war gut belegt und wird vom jungen Team bestens bewirtet. Unsere reine Wanderzeit belief sich auf ca. 5 h. So hatten wir vor dem Essen noch Zeit, die in weiche Farben getauchte Abendstimmung und einen warmen Tee zu geniessen. Eine der beiden Hauskatzen leistete uns Gesellschaft, was zur Gemütlichkeit beitrug. Draussen konnten wir einen Bartgeier in der Nähe der Hütte vorbeigleiten sehen.
Am nächsten Morgen begann es um 06.00 h in den Schlafräumen zu rumoren. In der Nacht hatte sich der Dunst gesetzt und Reif gebildet, und es glitzerte auf den Holzplanken der Terrasse, auf Tischen und Bänken vor der Hütte. Trotz der Kälte lockte es viele Gäste nach draussen, wo uns nun ein spektakulärer Sonnenaufgang und das einmalige Panorama am blank geputzten Horizont erwartete. Da auch die Panoramatafel von einer hartnäckigen Eisschicht überzogen war, wurde bereits vor dem Frühstück über das Panorama gerätselt und gefachsimpelt.
Am zweiten Wandertag ging es an der Madonna vorbei vorwiegend bergab, durch abwechslungsreiches Gestein mit enormen Dolinen, unterhalb der La Maya zum See Le Louché, dessen Oberfläche sich im Morgenlicht und Wind silbern kräuselte und uns zum ersten Halt verleitete.
Der Bach La Rèche, dem wir nun folgten, wird zunehmend von beiden Talseiten mit Wasser gespeist und zeitweise bilden sich breitere Feuchtgebiete, wo das Wollgras immer noch blühte.
Die Farben der Hochebene erschienen bereits herbstlich. Neben rosa Gräsern und Weidenröschen blühten Heidekraut und Feldenzian, weiter unten färbten sich die Heidelbeersträucher orangerot. Höchste Zeit für die zahlreichen Murmeltiere sich vollzufressen!
Wir folgten dem gurgelnden Gewässer bis es beim Naturschutzgebiet L’Ar du Tsan teilweise als Bisse umgeleitet, unter uns verstummte. Wir entschieden, dem Weg zur Mittelstation zu folgen und kamen dadurch noch zum Genuss eines Spaziergangs durch den halb offenen Arvenwald statt zur Bergstation Crêt du Midi aufzusteigen. Vom Schneebruch im Frühling waren im Wald noch einige Schäden zu sehen, die Wege waren ja auch noch lange gesperrt gewesen!
Müde aber voller Eindrücke der wundervollen Landschaft und unberührten Natur erreichten wir mit der Seilbahn das Dorf Vercorin, in dessen altem Zentrum wir die Wanderung in einer gemütlichen Gartenbeiz ausklingen liessen, bevor wir die Heimreise antraten.
Herzlichen Dank an Jürgen Gück und das Wandergrüppli!
Barbara Bäni

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