Für unsere zur Tradition gewordenen Hochtourentage mit Bergführerin Raphaela Haug haben wir dieses Jahr die Urner Haute Route gewählt und hatten von A-Z super Wetter. Aufgrund der Unmengen Neuschnee, die am Freitag und Samstag davor gefallen waren, und der entsprechend grossen Lawinengefahr beschlossen wir allerdings, den Start um einen Tag zu verschieben. So stiegen wir dann am Montag bei fast heissem Wetter von Realp der Albert Heim-Hütte entgegen, bequem in einer bereits vorhandenen Spur. Das sollte sich aber bald ändern: Kurz nach dem Hotel Galenstock setzte ein stürmischer Wind ein, und wenig später begriffen wir, warum andere Gruppen vor uns nicht vorankamen: Es galt, in 60cm tiefem Neu- und Triebschnee zu spuren.... So wurde der Weg zur A.Heim-Hütte natürlich streng und lang. Auch am Dienstag lag die Lawinengefahr noch bei 3+, womit wir auf den Übergang über Winterlücke und Lochberg nach Göscheneralp leider verzichten mussten. Stattdessen kurzer Aufstieg zum Schafberg, Abfahrt nach Realp bei wechselnd anstrengendem Schnee, Kaffeepause in der Besenbeiz, dann Alpentaxi nach Göschenen und von dort zügig in einer Stunde durch die schönen Wälder zur Göscheneralp, wo wir im Gasthaus von Seraina super verwöhnt wurden. Anderntags fuhr uns Christian vom Geissenparadies mit dem Schneemobil, am Seil hinten angehängt, in rasanter Fahrt zum Staudamm hinauf - eine andere Art von Skilift. Über den gefrorenen See und durch das weite Chelenalptal begann der Tag mit eineinhalb beschaulichen Stunden, dann wurde der Aufstieg zur Chelenalphütte allerdings beschwerlich: Gemeinsam mit einer Gruppe Engländer*innen mit Bergführer Jasper arbeiteten wir uns Spitzkehre um Spitzkehre mit Harscheisen über vereiste Hänge das Steilstück hinauf, zwischendurch galt es dann und wann mit aufgebundenen Skiern ein Couloir zu überwinden. Nach einem gemütlichen Halt in der Sonne vor der Chelenalphütte ging's weiter zur Sustenlimi, die mit heftigen Sturm aufwartete. Bereits lagen gut 1400 Höhenmeter hinter uns, trotzdem wollte niemand auf das Sustenhorn verzichten, und so arbeiteten wir uns bei Böen von 60 km/h weitere 400 Höhenmeter hinauf, wobei mehr als eine auch mal umgeblasen wurde. Auf dem Gipfel herrschte aber vorübergehend fast Windstille! (naja, kurz jedenfalls). Für die 1800hm Abfahrt zum Steingletscher übernahm Jasper als Ortskundiger die Führung, zunächst in Fallinie unter das Sustenhorn und dann deutlich östlicher als die Normalroute zum Steinsee - gut so, denn rückblickend wäre das übliche Couloir kaum befahrbar gewesen. Recht müde kamen wir am Steingletscher an, wo reger Betrieb herrschte. Der Donnerstag begann mit einem sonnigen Aufstieg zum Fünffingerstock (Pt. 2993), den Titlis vor der Nase. Die Abfahrt war ein Genuss, zunächst durch ein 43-Grad-Couloir und dann über die langen, schönen Steilhänge von Chli Sustlifirn und Firenplangg - bis auf rd. 1940m hinunter, da die Hangquerung auf der Höhenlinie mangels Schnee ohnehin nicht möglich war. Beim Gegenaufstieg auf dem Sommerweg wurde es heiss, aber abwechslungsreich, teils zu Fuss über die Leitern hinauf zur gemütlichen Sustlihütte. Auch an diesem Tag zählten wir am Ende rund 1500hm obsi. Und schon kam der letzte Tag: Via Stössensattel zum Grassen mit wunderbarer Rundsicht. Abfahrt zum Übergang beim Grassenbiwak, und dann verliessen wir die diversen anderen Gruppen, welche alle nach Engelberg abfuhren (vermutlich mit miserablem Bruchharst) und hatten dank Raphaelas Idee, nach Gadmen abzufahren, die oben harten, unten tatsächlich etwas sulzigen Hänge über den Wendengletscher zum Wendenläger ganz für uns allein. Müde aber hoch zufrieden blicken wir vier Frauen auf diese wunderbaren Tage zurück. Danke an Raphaela für die tolle Führung!

© 2011-2026 climbIT GmbH,